Es regnete stark. Ich stand an einer Kurve der Landstraße und hielt den Daumen raus, um nach Nowosibirsk mitgenommen zu werden. An dieser Stelle ist die Straße sehr gefährlich – eine scharfe Kurve; wenn man bei schlechtem Wetter bremst, kann ein Auto leicht von der Fahrbahn abkommen. Ich winke. Alle fahren vorbei. Da kommt ein schwarzer ausländischer Wagen. Zuerst fuhr er auch vorbei, dann hielt er an, der Fahrer setzte zurück und fuhr zu mir heran.
Die Tür öffnet sich. Am Steuer sitzt ein Mann mit südländischem Aussehen. Er sagt:
– Steig ein, mein Lieber!
Ich, völlig durchnässt, setze mich auf den Ledersitz des teuren Autos. Wir fahren los. Ein Gespräch kommt zustande.
– Wo kommst du hier so her? – fragt mein Mitfahrer.
– Ich bin ein Diener Gottes und fahre zu meiner Familie, – antworte ich.
– Hör zu, kannst du für meinen Freund beten? Er heißt Mahmut. Bei ihm läuft alles schief: mit der Frau, mit den Kindern, im Geschäft … Du bist doch ein Diener, Gott wird dich hören.
Ich betete für Mahmut: für sein Herz und für Gottes Wirken an ihm. Wir kommen an den Straßenabschnitt, an dem sich unsere Wege trennen. Ich muss aussteigen. Ich drehe mich um, um mich zu verabschieden, und sehe, dass mein Mitfahrer weint. Tränen strömen ihm in dicken Bächen aus den Augen.
– Weißt du, was du gerade getan hast?
– Was ist passiert? – frage ich.
– Du hast mir das Leben gerettet! – sagt er. – Ich bin Mahmut. Ich war auf dem Weg in den Wald, um mich aufzuhängen. Dann habe ich dich plötzlich an der Straße gesehen und gedacht, ich spreche noch mit dem letzten Menschen in meinem Leben …
Wir redeten und weinten noch eine Stunde zusammen. Danach fuhr er glücklich nach Hause zu seiner Familie. Da verstand ich, warum der Herr zugelassen hatte, dass ich an diesem Ort im Regen stand. Ich sage das nicht, um von mir zu erzählen, sondern um von der Herrlichkeit Gottes Zeugnis zu geben.
Erzählt aus dem eigenen Leben von Jewgeni BACHMUTSKI.




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